Frisch oder alt
Frisches Bohrmehl ist hell, fast weißlich, körnig und rieselt nach: Wenn Sie es wegwischen, liegt nach einigen Tagen oder Wochen wieder etwas da. Alter Befall hinterlässt graues, verstaubtes, oft verklebtes Mehl, das sich nicht erneuert und über dem sich Spinnweben gebildet haben.
Der einfachste Test ist deshalb auch der beste: Stelle sauber wischen, ein Blatt Papier darunter legen, Datum notieren, vier Wochen warten. Was in dieser Zeit nachrieselt, ist der Befund. Machen Sie ein Foto, bevor Sie wischen — die Verteilung ist selbst eine Information.
Wer war es
Die Form der Ausfluglöcher und das Mehl selbst verraten die Art. Der Gemeine Nagekäfer, oft Holzwurm genannt, hinterlässt runde Löcher von etwa ein bis zwei Millimetern und feines, sandiges Mehl. Er braucht feuchtes Holz und tritt vor allem in Möbeln, Fußböden und feuchten Kellerbalken auf.
Der Hausbock macht ovale Löcher von fünf bis zehn Millimetern und grobes Mehl mit walzenförmigen Kotteilchen. Er befällt Nadelholz im Dachstuhl, bevorzugt trocken und warm — im Odenwald also genau die alten Dachstühle. An warmen Sommertagen kann man die Larve nagen hören, ein knirschendes Geräusch mit Pausen.
Der Unterschied ist wichtig, weil Hausbock tragende Querschnitte über Jahre aushöhlen kann, ohne dass außen viel sichtbar wird. Nagekäferbefall in einem Möbelstück ist demgegenüber ein anderes Kaliber.
Was daraus folgt
Bei abgeschlossenem Befall ist die richtige Maßnahme keine. Ein Dachstuhl, in dem vor vierzig Jahren Hausbock war und der seither trocken steht, braucht keine Behandlung — er braucht eine Notiz in den Hausunterlagen.
Bei aktivem Befall entscheiden Holzfeuchte, Umfang und Statik über das Verfahren. Wir messen die Feuchte, weil sie beim Nagekäfer die halbe Lösung ist, und wir sagen Ihnen, wann ein Tragwerksplaner dazugehört. Bei denkmalgeschützter Substanz stimmen wir das Verfahren vorher mit der Behörde ab.



